24
Jul
2008

des menschengemachten verwehung

manch mensch macht mir nichts dir nichts gar nichts. er hört aber- was ihr sozial kompetenten leutchen ja längst schon wisst- oft nur auf tonfall und stichwort und nicht mehr. hört nicht auf satz oder argument, hört fast gar nicht fokusiert, sondern bewegt sich wie im traum, so als ob; als ob er und dh auch sie größtenteils allein auf der welt wär. füllet aus die nicht zugehörten leerstellen mit eignen zuvor eingegangnen mustern.
es folgt:
du kannst die beleidigensten dingelchen mit der freundlichsten stimme straflos an den mann bringen- solange du nur irgendein wiedererkennbares anerkennungsvokabel oder eine solche phrase mitten drin fallen lässt. oder noch beschwichtigender am ende.

das ist natürlich genau die denkart von allerhand polit- und wirtschafts- PR menschen: die BEVÖLKERUNG (c by faymann) ist wie ein verwirrtes kind zu behandeln. muss man sorgsam an der hand nehmen und ihm alles zeigen; ihm sagen: schau, das da ist ein baum, und das da drüben ist ein bagger; toll, nicht? und jetzt aber läufst du schon ganz schnell zu dem ganz besonders lieben onkel da drüben hin, und machst alles, was er sagt, gelt? und tschüss, doofi.

es funktioniert aber eh gar nicht so gut immer. allerdings immerhin widerstandslos.

12
Jun
2008

spießbürgertum

ich habe ja eine fundamentale fixierung meiner (theoretischen) wahrnehmungsschemata so gut wie möglich bisher noch unvollendet gehalten - einen keil in den unverpanzerten spalt der re-initiierungsmöglichkeit hineingetrieben, der jedoch aufgrund dieser wahnsinnigen schließungskraft alsbald schon zersplittern darf. und zwar wenn ich das nächste 'rite de passage' ordentlich absolviert habe. sprich, wenn meine initiation vollbracht ist. ist ja klar. hat alles seine ordnung dann.
eine - wie ich fürchte- analoge haltung zur derjenigen aktueller, konservativer mittelschichtspaarbeziehungsmenschen, die die nachlässig gewordenen determinanten ehe und kind erst hereinbrechen lassen, wenn alles andere abgesichert ist.

dann bin ich auch- nach studentisch relativer autonomie- endlich in der gesellschaft angekommen, finde meinen platz schon vorgewählt, erkenne meine laufbahn geschwind und folge ihr nur mehr. kann sodann- endlich in der allgemeinheit verankert- mit hochgerecktem haupte voller selbstbewusstsein sprechen und schreiben. die stimme wird lauter und fester, die 'vielleichts' und 'wahrscheinlichs' werden weniger, es wird ein apodiktischer stil vollzogen, welcher gar nicht eintrainiert werden muss- er kommt mir einfach notwendig zu.
dann, meine damen und herren, bin ich vollständig gereift. und im klischee verendet natürlich auch. rädchen, das sich unverhofft verhakt vorfindet in den nächsten. klassische endstation einer bürgerkarriere, vorab.

vielleicht sollte man an solchen orten doch eher schreiben, wer und was so über einen hergefallen ist, oder wo man sich selber wiederum vergriffen hat, als wie hier ewig nur einem satz den nächsten folgen zu lassen, so wie er einem zufällt, und jede referenz mit der wirklichen welt, jede lebendige dramatik durch die reine folge der assoziation hinwegzuspülen. sinn ist zufall,
ist aber auch nicht der sache.
das muss nicht oft genug betont sein.

sehet nur rechterhand den namen unter meinem piktogramm, und ihr wisset schon alles.

11
Jun
2008

in ewigkeit gravitieren

da muss man also wie gene roddenberry rein ins weltall, wenn man sowas will; im hiesigen sauerstoff ist gleich das ganze material verrottet und verteilt.
das ist ja auch immer, was ich mir vorstelle als die leibliche reinkarnation: es löst sich auf in abermillionen maden und mistkäfer und wurrlt noch eine zeitlang rum, bis sich daran die vögel und andere distributoren genug gelabt haben, sodass der leib letztendlich versprengt wird über den ganzen erdball
und zu jedem klima vegetiert.

natürlich ist auch diese jenseitsvorstellung größtenteils ein unsinn.
haben wir doch einen stoffwechsel, der sämtlich materie aus uns ständig ausscheidet und ersetzt durch irgendwas, was grade da ist. nach einem jahr oder monat ist kein teilchen mehr das gleiche wie zuvor.
offensichtlich zählt der zusammenhalt hier identitaire, die struktur also. die einzelnen elemente werden- immer schlechter und schlechter- ersetzt zu den gegebenen konditionen.
und die STRUKTUR ist genau das, was im verwesungsprozess zersetzt wird.
ach, es bleiben ja doch nur erinnerungsspuren,
in anderen ich-strukturen.

devise also: alle hoffnung fahren lassen!

und endlich mal tanzen gehen statt immer nur öden fussball.

7
Jun
2008

sicherheitszonen in der realität

soziologische tour-de-force durch die stadt absolviert, em- begeisterte gucken gehen, slumming again. sehr selten noch in meuten anzutreffen solch trikotträger; sind vom sicherheitsapparat und ihrem gemeinsamen aufmerksamkeitsfokus noch gut vereinzelt. wehe, sie verbinden sich außerhalb dieser speziell gebauten auslaufflächen! diese sind extraterritoriale zonen oder besser nach innen gerichtete festungen in der stadt mit einer hausordnung, die wohl aus 125 Punkten besteht und alles verbietet außer konsum von sponsorensachen. sicherheitsdienst mit absolutem durchgriffsrecht, selbstverständlich mit voller WILLKÜR ausgestattet, sprich, keine handlung muss begründet werden, es sei denn irgendwer geht dabei kaputt.
des widerspenstigen präventive normalisierung. verlangweiligung. homogenisierung von alles was geben kann. püh. da geh ich nich hin.

ähnliches konzept, nur mit anderen zeitvorstellungen und invertiertem rein-/raus-wollen haben die Großbriten: riesige sammellager für die modernisierungsverlierer. wundervoll. da noch schnell flux ein zitat vom garland reingeschoben, weil ich das so furchtbar pointiert auch finde:

"After a long-term process of expanding individual freedom and relaxing social and cultural restraints, control is now being re-emphasized in every area of social life- with the singular and startling exception of the economy, from whose deregulated domain most of today's major risks routinely emerge." garland david, the culture of control, 195, 2001

mit eine freude beim spazieren natürlich immer auch DER WEIBLICHE BLICK, wie balsam auf der seele schwenkts überraschend ab, eben mal zu mir rüber und bleibt hängen. klar. mit geweiteten augen werd ich kurz klassifiziert und festgeschrieben, ja gleichsam objektiviert. und das ist ja das schöne dran; achwas mensch-werdung, was. nene, objekt-werdung! wie wundervoll.
disclaimer: das macht mir natürlich eh nur spaß weil ich vorher gar keins war und immer die möglichkeit hab den SPIESZ umzudrehen, vermutlich.
ganz doll dekadent.

4
Jun
2008

kleines assoziationsfeld zur wiedereinführung

freischwebendes snuet referiert ein wenig über es selbst, weil es gar nichts anderes gibt gerade außer regen und nässe, schlechte literatur, unvollständig angeguckte abel ferrara - bibelgeschichten. und eine arg in mitleidenschaft gezogene distanzierung von notwendigen arbeiten.
so brauche ich, um den abstand zu halten, den bewusstseinsstrom fortzuhalten von der arbeit, mehr und mehr psychische ressourcen; ist die voranschreitende zeit, die sukzessive reduktion des zeitabstands zwischen jetzt und TERMINUS der jeweilig sich potenzierende multiplikator des notwendigen kraftflusses, der erst einmal nur verwendet werden kann, um die fordernde seite zu blockieren.
daraufhin- wasserdruck- bricht sich diese psychische potenz eh immer wieder eine neue bresche woanders, woandershin: da irgendwo bin ich jetzt zB, auf der anderen seite.

breschen- und lochlokalisation aber total übermenschlich manipuliert:
seine eigenen zwangsreaktionen vorhersehen können und instrumentell mit ihnen arbeiten. lauter kleine lineare maschinen existieren da fröhlich zwitschernd, ein jedes erregt um aufmerksamkeit heischend, und wollen gefüttert werden, wollen was prozessieren; in die gibt man a, und bekommt man klar b. gibt man zB dem ekel viel nahrung, bekommt man neuen output aus dem mund. geht man zum zahnarzt, bekommt man schöne neue angstzustände. malträtiert man den oberarm lang genug und macht ein peeling, bekommt man mehr sex. versucht man sich erfolgreich als unterschieden zu begreifen von seinen gefühlen, fühlt man weniger. alles eine frage der anwendung, und zunehmender entrücktheit, wahrscheinlich, ziemlich meschugge alles.

es ist hier vonstatten gegangen eine insgesamte neuorganisation meines relationssystems.
neue beziehungen zwischen körper und begehren,
neue beziehungen zwischen anderen instanzen, sowohl in meiner inneren wirklichkeitsstruktur, als auch zu manch mensch in umgebung.

ich bin allerdings in meinem identitätserzählfluss etwas ins stocken geraten. es ist also da weniger ein hochdramaturgischer bruch entstanden in meinem bionarrativ, nein: das, was mich erzählt- ein selbst nämlich, das versucht, der nur jeweils augenblicklich präsenten kontrollinstanz ICH seine richtlinien zu diktieren- dieses selbst, das da grade noch frisch und fröhlich rummanipuliert hat, das ist aktuell konfus, paralysiert, kann sich nicht scharfstellen auf neue gegebenheiten. insofern hab ich mich grade ERZÄHLTECHNISCH* überhaupt nicht im griff. fühl mich wenig ident mit mir grade.

hier nun endlich der witz des tages:
kommt da so ein althusser'scher polizist und ruft: "he du!", dann fühl ich mich gar nicht angesprochen. ich ist ein anderer. da schaut der blöd aus der wäsche. und mit ihm alle ideologischen staatsapparate.
die können mich nicht mal.
harhar.


*dies hier ein versuch. man merke dem geschriebenen an, was ich über es geschrieben habe.

25
Jan
2008

regeneratives blurb

ich erkore mir aus einen sonnentach und geh da so inmitten, ne, die strahlen alle treffen volle wucht den schädel wech, dunkeln die augen bisschen, verbrennen die vereinzelten hautschichten als far too niederschwellige uv-hemmung, lassen mich empfindlich zurück; durch die straßen jetzt, beton auf beton nebenher laufend; auch die blöden selbstbewegten blechkästen, plump röhrende technik, sind kulturkritisch zu betrachten.
wenn man sich aber solch ein hirn nicht rechtzeitig rausschießt, weiß ich auch nicht mehr. insbesondere wie immer eines, das solches wie hier bitförmig anregt.

mit einem muskelberg als äußere erscheinung ist übrigens bei dergestalt körperfeindlichen akademikern kaum was zu holen. schade das, aber. es wirkt im geheimen, nicht gesagten, so sprich: der intimbereich.
das auch alles, was zählt bei libidogeplagten jungkörpern.

das großsprechlerische CHAOS zu fixieren, da hilft vorgefertigte grammatik ungemein. den sprachsinn allerdings muss man halbwegs von wo abgewinnen: das ist nicht, was hier passiert. hier passiert nichts. nein, nein. weitergehen. hier gibts nichts zu sehen.

anschließend hübschen ohrwurm tief reinstecken, bisschen wühlen lassen. haste mit zeit gewonnen, sach ich dir. dann weitermachen.

24
Nov
2007

zwei sorten film

da gibt es jene, die keine zeit verschwenden auf stumme bilder; es gibt 'gute gespräche', die auf was ganz anderes weisen; zumeist, auf das und jenes, was mit sprache, ach gottchen, gar nicht fassbar, also, gar nicht fassbar, ist; und immer ist es bisschen ein rennen gegen die wand. die arme schprache ist ja leider immer so wahnsinnig unterkomplex gegenüber dings.
und da gibt es jeene, die durch montage, musik und bilder mit horizont drauf dich ziehen und saugen und schlucken dich rein dahin, wo sich verdauungssäfte tummeln, von denen du bisher keine ahnung hattest, dass es sie gibt. körperfilme also. und das führt uns nun endlich zu TIDELAND, terry gilliam, wo Jeliza - Rose sich mit vier puppen- köpfen und einigen ausgestopfen verwandten suchend durch die felder deliriert.
jaja, da verwertet einer seine träume. es kickt.

3
Nov
2007

leibesübungen

mittwochs 'yella' gesehen von christian petzold. leicht angetrunken hin inmitten gedämpftem viennale-radau; der gemeine teilzeit-cineast leicht zu erkennen, erfolgreich an ihm vorbei, an allen ganz flux vorbei; im riesenhaften gartenbausaal gedämpftes hintergrundgeschnatter allerseits, macht nichts, film ab: der geht voll rein, hat keinen filter, inmitten ein paar schwache hoffnungsschimmer, doch nicht mehr; nach dem traum ist vor dem traum: yella wird verfolgt; yella wird ins wasser gefahren; yella wird benutzt; yella wird gepackt; nachher geschlagen; yella verhandelt, es läuft, irgendwie. yella findet jemanden; yella will ihm helfen mit den methoden anderer. katastrophe. yella wehrt sich am ende nicht mehr; das ist ihr gezeigt worden andauernd, sie hat ihre lektionen gelernt.
danach ich selbst sogar betrunkener als zuvor, ganz ohne bier; ich sags euch, der film hats in sich.
jetzt muss ich wieder leibesübungen machen. ich entwickle da gerade ein schönes paar brüste; unförmige männerbrüste. hässliche dinger im grunde.
logo

kinkerlitzchen

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Links

lustige exbäume

diederichsen
eigenblutdoping

samsonov
anti-elektra

g. böhme
atmosphäre

messgeraet

Creative Commons

Suche

 

Status

Online seit 675 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 3. Sep, 03:00

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this page (with comments)

twoday.net AGB


beliebigkeiten
Fantasien
film
gedichtl
spaziergang
überwachung und kontrolle
wegweisungen
wurmfortsatz
zu kurz gegriffen
zustandsprosa
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren