wurmfortsatz

17
Okt
2007

arendt argument

gutes argument gegen gewaltakte als politisches instrument für marginale gruppen

es ist doch der fall, sagt frau arendt in 'macht und gewalt', dass in bestimmten gruppen minoritärer art eine geschichtsphilosophie (implizit) unterlegt ist, die die geschichte als eine mehr oder weniger automatisch bzw. determiniert vonstatten gehende angelegenheit versteht. davon abgeleitet bliebe also nur übrig, einen krieg zu führen oder eine revolution zu machen, um die ansonsten unbeeinflussbaren verhältnisse zu ändern.
das, sagt frau arendt, wäre ein starker grund für solch einen gewalttätigen akt, er ist aber nicht sehr plausibel.
"In Wahrheit jedoch ist es die Funktion jeden Handelns, im Unterschied zu einem bloß reaktiven Sichverhaltens, Prozesse zu unterbrechen, die sonst automatisch und damit voraussagbar verlaufen würden." (arendt, macht und gewalt, piper 1970; 35)
dies meint jedes (politische) handeln in seiner möglichkeit, neue handlungsketten zu beginnen und sich so mit anderen handlungen zu dritten und vierten wirkungen unvorhersehbar zu verbinden. sodass in der resultante recht exakt das gegenteil eines automatismus erscheint.
damit ist die 'gewaltlösung' - ihrer legitimität befreit- unbefristet entlassen. bitteschön.

eine solche subjektphilosophie, sachichmal, soll man ruhig mal bisschen wieder gegen diverse diskurstheorien in position bringen, um das GESAMTBILD ins rechte licht zu rücken, versteht sich;

10
Okt
2007

fieberfantasie

ich und die verkühlung haben sich inzwischen darauf geeinigt, kompensationsmaßnahmen zu ergreifen, sie aber allenfalls lasch auszuführen.
durch verstopfung der sinnesnerven des hörens, riechens, schmeckens und sogar sehens - sensorische deprivation- wird meine ohnehin schon ästhetisch gefällte entscheidung der wahrnehmung von welt als eine unwirkliche massiv unterstützt. störende faktoren auf dem weg zur totalen verinselung sind vorübergehend auftretende menschen als mitbewohnerInnen oder supermarktverkäuferinnen. auch die letzteren glauben mich inzwischen so gut zu kennen, sodass sie sich nicht länger bemüssigt fühlen, ihre bewegungen und worte auf formale routinen zu begrenzen. man wird hier- unerhört- unterschiedlichen freundlichkeitsreizen ausgesetzt, die schon als ihre motivation eben solche gegenreize von einem abfordern. weltkontaktzwangsprogramm.

ich bin durch die anstrengungen meines psychischen apparats dazu angehalten, alles mehr fremd zu machen. es muss immer mehr immer mehr fremd zu sein haben, damit ich mein vages interesse an welt nicht gänzlich innerhalb meines leibes in den rückzug hineinlege. es muss ein sprung gemacht werden von meinen inneren repräsentationen hin zu den vermutlichen äußeren, sonst ist ja alles nicht wahr. (spannungsbogen. lebensfunke.)

normalisierende glättungs- und unschärfeeffekte einer als einheitlich erlebten welt machen dich vielleicht sozialfähig, werte kollegin, sind jedoch einer genauen wahrnehmung feind.
das geht aber alles vorbei.

29
Aug
2007

begleitservice

Es gibt- das ist allgemein bekannt- drei übermäßig voneinander unterschiedene begleitmaßnahmen für unsern kommenden aufgang ins nichts:

- nachhaltige verunsicherung als automatische triebnachladung; die nervliche inspiration der TÄGLICHEN ZUMUTUNG umwerten, so lange, und lange, so lange - is ja schon gut, alles.

- bisschen stagnieren; bisschen bier trinken; bisschen fernsehen; nachher mal bisschen stagnieren, duschen, bier trinken; weiterstagnieren bis zur toten hose; es zuende bringen, wenn es passt. es passt immer.

- beckett lesen.

so: Feuer im Rektum wie überwunden Überlegungen über die Passion des Schmerzes unaufhaltsamer Aufbruch damit zusammenhängende Vorbereitungen Strecke ohne Zwischenfall plötzliche Ankunft im sicheren Hafen letzte Lichter Erlöschen und hop ist es ein Traum

und so: was zuerst zuerst trinken ich lege mich auf den Bauch das dauert einen guten Moment ich dauere damit einen Moment der Mund öffnet sich endlich die Zunge kommt heraus geht in den Dreck es dauert einen guten Moment es sind gute Momente vielleicht die besten wie soll man wählen das Gesicht im Dreck der Mund offen der Dreck im Mund der Durst der sich verliert die wiedereroberte Menschheit

soso.

aus unserem nervenauftreibend- spannenden serviceangebot: 'was macht der snuet bloß grade?!'

11
Aug
2007

die religiöse begabung; vergeistigte suchmaschinen

hirnthema ff.

diejenigen, die "religiös begabt" (maxi weber) zu sein scheinen- sind einem restphänomen unserer guten alten vergangenen biologischen evolution hoch geschuldet.
Es ist ganz sicherlich irgendein mit wein und wasser durchtränkter hirnlappen, der sich in seiner nützlichkeit analog zum blinddarm verhält. doch anders als dieser hat er noch die kraft, sich gemeinsam mit der universalen lustverschaffenden oder angstbetäubenden unterwerfungsgeste gegenüber dem GROSZEN GROSZEN GROSZEN MANN das kanzerozierte großhirn als sekundärvirus zu verschleiern und zu beherrschen.
so wie ein aktiver bundestrojaner deines geheiligten innenministers, nur steckt der dagegen noch in den kinderschuhen bzw. kann ja noch nich mal gehen.
begleitung erfährt diese hirninstitution ja noch von zweierlei oder vielleicht der drei- so die tatsachenforschung.
1. religion hat als hauptfunktionen die gemeinschaftsstiftung unter viel versprechender hierarchie. soziale/ politische funktion
2. religion nimmt demjenigen sein untragbares kreuz von den schultern, der ob Dero Unendlichen Absurdität kognitiv über div. abgründen gar nicht mehr unbedingt blöde rumbalancieren möchte. bissl sinn für deinen schmächtigen körper zB. psychische funktion.
3. zur psychischen funktion gehörig. staunen ob der existenz von irgendwas. und dann dessen komplexität. und dann dessen vielfalt. und am meisten über sich selbst. da hilft ein alter, weißbärtiger himmelsflügler ungemein! oder auch irgendein kosmos. teil sein von etwas größerem. scheiß kollektivismus.*

- viele nützliche kleine bites werden- wie man aus unglaublich persönlichen quellen weiß- in diesem unserem internet an leute vergeben, die nichts anderes tun, als, trotz der jeweils eigenen vollkommenen gewissheit ihrer gänzlichen inkompetenz, sich gegenüber anderen zu bemühen, recht zu behalten.
die internet- öffentlichkeit ist derart fragmentiert, oder besser: unter unendlich vielen NISCHENRUDELN aufgeteilt, dass es so etwas wie einen LEGITIMITÄTSDRUCK beinahe überhaupt nicht gibt. legitim im allerbesten sinn. gibt es einen intelligenzbolzen in aller nächster (netz-)nähe, beiseite mit ihm! es gibt immer deppertere als man selbst. so nicht, verehrte selbstachtende LeserInnen.
daher schlage ich ob des durchdringenden datenlärms einen neuen filter vor für div. ai- suchmaschinen-POs.
"suche unter bedingung: geistiges niveau= 15" oder gar 16. weniger bildungselitismus als zeitspar- recherchier- effizienzmaximierungsblablabla.

*achja. und verlässt uns (oder wandert) die geheiligte soziale funktion- so wie in westeuropa- bleibt nicht mehr viel übrig als die form= kirchengebäude und prozession (und ein bissl leere instrumentalisierung für den rassismus gegen einen fiktiven islam und für säkularisierte vergemeinschaftung a la EUROPAscheiße.)

3
Aug
2007

genesis

stellen Sie sich mal vor, ich stelle mir vor, ein tumor sehe so ähnlich aus wie das hirn. stellen Sie sich mal vor, ich stelle mir vor, es ist dem so: die beiden dinge sind die gleichen. so müsste man also sagen:
im anfang war ein affe und er war froh es zu sein. der himmel war blau, die erde grün, das wasser blau und alles wonne, mensch, immer so weiter. und eines tages, er hat ihn vergessen: ein paar mRNAs, so erzählt man, waren nicht ganz bei sich, oder vielleicht, kamen diese Außerirdischen (die mit den weißen Bärten) und strahlten bisschen was rein in den Affen; und eh er sichs versah, wuchs ein hirn heran, bis es groß ward, ein verdammtes GROSZHIRN.
dieses eklige organ.
und nie, so dachten sie, käme es dazu, dass etwa wesen mit fußballgroßen tumoren im schädel zusammenleben könnten.
und die geschichte sprach bände, denn sie wurde in langen serien in buchform koproduziert.
und was, so fragt der aufgeklärte, ist also der mensch?
ein bösartiger affe.

die meinung in diesem artikel gibt nicht die meinung der redaktion wieder, denn sie hat sich- wie idealerweise jede redaktion oder JEDE INSTITUTION- darum bemüht, überflüssig zu werden. das ist ihr ganz wunderbar gelungen: es gibt sie nicht.

23
Jul
2007

prothetische himmelskonzeption

intro: beständiges hirn in watte eingepackt. wird rund um die uhr mit hochfliegenden träumen versorgt. vr.

extro: superwoman steht modell. designerkörper. keine schnitzer im gesicht, stattdessen schwerkraftenthoben; koppel hirn an elektronik: lass die synapsenfunken sprühen; der götterhimmel.

meins aber: totaltransplantation; mach mich zur schnecke. besser zur katz. brauche streicheleinheiten. schnurre gut; pflegeleicht& stubenrein.
kontakt:
da runter.

höret die trompeten! das schalldämpferprogramm

ich bin übrigens mein eigenes versuchskaninchen in punkto autosuggestion zB. fantasiere mir also mehrmals am tag filmreife szenarien, in denen systematisch meine reaktionsfähigkeiten abgetestet werden. und geübt.
schwerpunkt derzeit nahe bei paranoiainduzierenden verrichtungen anderer personen an mir selbst.
nein, nicht nur führe ich tiefsinnige gespräche in meinem kopf, es wird auch wie verrückt gelaufen- oder oft zurückgeschlagen. aussichtslos.
so also, nunmehr zu den

wirklichen transformationsmodi:

1. autonomisierung. präsenzminimierung anderer organischer entitäten inkl. radikaler output-reduktion

2. heterogenisierung. nicht persönlichkeit multiplizieren, nein, auseinanderdividieren!

3. idiosynkratische fließband-witzproduktion= internes kurzweil, komprimierung der zeit zum verfliegen lassen.

4. raumkrümmung auf wenige quadratmeter. bewegung ist kein sinn des lebens: zurückführung auf ideale punktförmigkeit, nicht die linie!

5. dramaturgische endzeitkonzeption: operation spring. fliegen lernen! höhenlüfterl bauscht das hemd.

geborgenheitselektronik

26
Mai
2007

das wort zum samstag

die worte kommen lassen..
es fügt sich alles, was du je gehört, gelesen hast- manches ist stärker, manches ist schwächer- im endlosen spiel zusammen. Und das ist deine aufgabe: unterwerfe es dem sinn und der grammatik, leg ihm zügel an und..
irgendwo muss man beginnen, dann aber macht es sich schon selber weiter; doch ist das nicht ganz richtig.
du musst es zähmen- aber zuvor bist du es, der gezähmt worden war. [ätsch]

4
Mai
2007

wie ein kleines kind

strahl
ist ein wortstern. es geht vom licht über wasser direkt in den urin. und es ist radioaktiv.
man muss sich aber zerstreuen. und um das soll es gehen.

du kannst dich sammeln, das ist eine arbeit. du rufst deine besetzungen aus allen richtungen herein, du erhebst den anspruch, musst dich einmal mehr als souverän erweisen. das ist eine implosion, inmitten ihrer findest du alles strukturell ähnlich wie schon früher. man muss sich das vorstellen wie eine walkmanhörende, die die musik aus den hörern absaugt, bis sie endlich still ist, weil sie ihr gehört. so und so ähnlich.

du zerstreust dich. das ist mehr als eine ablenkung oder zwei. du erfühlst vieles, auch gleichzeitig. du löst dich ein bisschen auf, du verdampfst an der sonne, fließt über die erde, wirbelst vermutlich wie ein herbstblatt mal über die wiese, gehst sowieso im gemenge auf die straße.

du hast dann verschiedene möglichkeiten, wie du weitermachst.
vielleicht senkst du dich nicht hinein, in eine werbung zB oder ein anderes bild, sondern sieh zu, wo es sich anschließt. das muss aber nicht so sein, das ist sonnenklar, du bist ja gar nicht da.

20
Apr
2007

es schleimt

- ich stehe, falls Sie das noch nicht wussten, dem gesund-sein ziemlich zwiespältig gegenüber. Einerseits finde ich es ganz gut, andererseits bin ichs nicht. ungemein galantes scherzkeks des tages.

- zur abwechslung etwas langes zitat, a bissl sehnsüchtig.

"Die Leute glauben, manche Dinge seien ungeheuer schwierig, und deshalb applaudieren sie den Trapezkünstlern, oder mir. [= Saxophonist] Ich weiß nicht, was die sich vorstellen; daß einer sich in Stücke reißt, um gut zu spielen, oder daß der Trapezkünstler sich jedesmal, wenn er einen Salto vollführt, die Sehnen zerreißt? In Wirklichkeit sind die schwierigen Dinge ganz andere, nämlich all das, was die Leute jeden Augenblick tun zu können glauben. Zum Beispiel einen Hund oder eine Katze zu betrachten und zu verstehen. Das sind die schwierigen Dinge, die ganz schwierigen Dinge. Gestern abend verfiel ich auf die Idee, mich in diesem kleinen Spiegel zu betrachten, und ich kann dir sagen, das war so furchtbar schwierig, daß ich fast aus dem Bett gesprungen wäre. [...] Kaum hast du etwas gefühlt, kommt schon das nächste, kommen die Worte ... Nein, es sind nicht die Worte, es ist das, was in den Worten ist, diese Art Leim, dieser Schleim. Und der Schleim kommt und bedeckt dich und überzeugt dich davon, daß der im Spiegel du bist. Natürlich, wie denn auch nicht. Gewiß bin ich das, mit dem Haar und dieser Narbe. Und die Leute merken nicht, daß das einzige, was sie akzeptieren, dieser Schleim ist, und deshalb finden sie es so einfach, sich im Spiegel zu betrachten. Oder mit dem Messer ein Stück Brot abzuschneiden."

Julio Cortázar - der Verfolger


so ein schleim, ein bisschen ekelig, aber sehr bakteriell, nicht wahr, so voller zellen. der schleim ist das, was unsere arme sprache mit unseren ärmlichen körperchen verbindet. schleim konstituiert ich, oder selbst.
du musst versuchen, den schleim hinter und zwischen allem zu ergründen. du darfst dich jedoch niemals aus ihm herauslösen! wehe dir!
So verbleibe im Schleim, spüre ihn, sieh ihn genau, ertaste ihn subtil, doch wische dich nicht ab.
schleimfrei, so sei dir warnend gesagt, wirst du nämlich erkennen, und du wirst erkennen, dass du nichts bist.
dann aber, so das letztes wort, hast du (dich) verloren.

fazit: es schleimt. ich sage sogar: es schleime!
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